lötfrei

Nachdem der Fokus bei smartWoMo zuletzt auf anderen Features gelegen hat, widme ich mich jetzt wieder mehr der Hardware-Seite. Beim Software-Teil hat sich der Umstieg auf die offene Openhab2-Plattform sehr bewährt. Deshalb habe ich mich für einen ähnlichen Ansatz bei den Sensoren und Aktoren entschieden. Vor allem die komplexe Verdrahtung – inklusive der Notwendigkeit, zu löten – hat einigen Lesern Schwierigkeiten bereitet.

Schließlich musste man bisher einige Leitungen und Bauelemente verlöten, um sicherzustellen, dass die Verbindungen sich nicht durch die Erschütterungen im Fahrzeug lösen. Außerdem ist das Ganze auch ein ziemlicher Kabelverhau, den man erst mal sauber irgendwo unterbringen muss. Alleine der MCP3008 für die Spannungsmessung der Batterie muss mit 6 Leitungen mit dem Raspberry Pi verbunden werden.

Ich habe mich also nach besseren Lösungen umgeschaut und bin auf TinkerForge gestoßen. TinkerForge ist ein System aus vorgefertigten Sensoren und Aktoren, die man nicht miteinander verlöten muss, sondern die einfach zusammengesteckt werden.

Also neben dem Raspberry Pi die perfekte Hardware-Basis für smartWoMo. Für mich bedeutet das, dass ich keine Hardware-Entwicklung mehr betreiben muss, sondern mich darauf fokussieren kann, weitere Einsatzfälle, Sensoren und Aktoren zu testen und hier für Euch zu dokumentieren. Für dich bedeutet es, dass du nicht mehr löten können mußt, um smartWoMo zu nutzen und die Verkabelung der Sensoren und Aktoren (beispielsweise Relais) mit dem Raspberry Pi entfällt. Das Tinkerforge-System wird mit lediglich einem einzigen USB-Kabel mit dem Raspberry Pi verbunden, auf dem Openhab2 läuft.

Einen kleinen Nachteil hat das TinkerForge-System: es ist etwas teurer, als die Sensoren, die man direkt am Raspberry anschliesst. Aber ich finde die Preise für die TinkerForge Komponenten absolut fair, wenn man die genannten Vorteile bedenkt. Hinzu kommt, dass TinkerForge eine deutsche Firma ist mit deutschsprachigem Support, Forum und Dokumentation.

Neben der Einführung von TinkerForge gibt es noch drei weitere wesentliche Änderungen in smartWoMo:

  1. Die Installation von smartWoMo erfolgt ab sofort ausschliesslich über einzelne Pakete, die auf einem Openhabian-Image installiert werden können. Das ist ein Derivat vom Standard-Betriebssystems Raspbian, auf dem Openhab2 bereits vorinstalliert ist. Ich stelle also kein fertiges Image mehr zur Verfügung. Das klingt erst mal nach einem Nachteil, beschleunigt aber die Entwicklung, da das Erstellen eines fertigen Images sehr zeitaufwendig für mich ist.
    Außerdem entfällt damit die Einschränkung auf ein bestimmtes Modell des Raspberry Pi. Leser haben bereits berichtet, dass das alte smartWoMo Image nicht auf dem Raspberry Pi 3+ läuft. Dieses Problem gibt es mit der neuen Version von smartWoMo nicht mehr.
  2. openhab2 ist ja nun schon seit einiger Zeit in smartWoMo eingezogen und hat sich als Software-Plattform bewährt. Ich persönlich finde die Java-ähnliche Programmiersprache in openhab2 zwar nicht so elegant, wie das in der smartWoMo Software verwendete JavaScript. Andererseits macht es aber keinen Sinn, zwei Software-Plattformen zu benutzen, deshalb wird der JavaScript Teil (also server.js) ab sofort nicht mehr unterstützt und stattdessen durch die openhab2 Rules ersetzt – wo notwendig ergänzt durch Shell-Scripts.
  3. Da smartWoMo auf dem Raspbian Betriebssystem basiert, ist es normalerweise notwendig, den Raspberry ordnungsgemäß herunterzufahren und dann erst von der Spannungsversorgung zu trennen. Andernfalls riskiert man eine korrupte SD-Karte. Das kann zu unerklärlichen Effekten bei der Verwendung von smartWoMo führen, weil Teile von Dateien inkonsistent wurden.  Im schlimmsten Fall fährt der Raspberry gar nicht mehr hoch. Die neue Version von smartWoMo kannst du so einstellen, dass der Raspberry im Readonly Modus gestartet wird. Das bedeutet, dass von der SD-Karte nur noch gelesen, aber nicht mehr darauf geschrieben wird. Alle Schreibvorgänge werden nur noch im Hauptspeicher ausgeführt und gehen verloren, sobald der Raspberry ausgeschaltet wird.Das hat 2 Vorteile:
    • du musst den Raspberry nicht mehr runterfahren, sondern kannst ihn einfach ausschalten
    • die Lebenszeit der SD-Karte wird verlängert

    Der Nachteil ist, dass alle Änderungen, die du auf dem Raspberry durchführst nach dem nächsten Neustart verloren sind. Allerdings kannst du jederzeit zwischen dem Readonly– und dem Normalmodus wechseln.

Viel Spaß weiterhin mit smartWoMo wünscht Dir,

Kai-Uwe

8 thoughts to “lötfrei”

  1. Hallo Kai – Uwe,

    als erstes ziehe ich meinen Hut vor dieser Leistung – einfach phänomenal…
    Ich habe mich ein wenig inspirieren lassen und mich einige Abende durch Deine Seite
    gelesen und entschieden (nach einem Einschneidenden *LeerenGasflaschenErlebnismeinerbesserenHälfte*
    bei einer Alleinfahrt der besten aller Ehegattinnen), Smart Womo zwecks Kontrolle des Gasflaschenfüllstandes
    anzusetzen. Nachdem ich dann das aktuelle Update „Lötfrei“ gelesen habe, war ich trotz tiefgreifender Elektronikkenntnisse noch bei Tinkerforge shoppen. Mein Projekt soll in der ersten Ausbaustufe demnach folgenden Umfang aufweisen:
    – Innentemperatur
    – Aussentemperatur
    – Batteriestand
    – Gasflaschenfüllstand (beide Flaschen)
    – Duocontrol Flaschenüberwachung (Flasche 1 oder 2)
    – Duocontrol Reglerheizung bei Temperaturen unter 0 Grad
    – WLan Zelle im WoMo und Verbindung zu externem WLan bzw. Verbindung zu Hotspot (z.B. vom Handy)
    – Statusinformationen auf Handy / Tablett
    Ich werde dieses Projekt einmal vorerst onthefly aufbauen… bis zur nächsten Saison möchte ich das System dann
    im WoMo etablieren.
    Vielen Dank für die Inspiration – ich bleibe hier weiter am lesen.
    Schöne Feiertage, Marc

    1. Hallo Marc,

      vielen Dank für dein Feedback, das mich sehr freut.
      Du hast ja viel vor – das finde ich super !
      Es wäre prima, wenn du deine Lösung für die Messung des Füllstandes der Gasflaschen hier publizieren würdest. Dann können auch andere Leser profitieren.

      Zum Thema WLAN-Hotspot: diese Funktion habe ich in der neuen smartWoMo Version noch nicht stabil zum Laufen bekommen. Das kann noch dauern. Einstweilen plane lieber mit einem separaten Router – wie im Überblick beschrieben.

      Ich wünsche dir und deiner Familie ebenfalls schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins Jahr 2019,
      Kai-Uwe

  2. Hallo Kai – Uwe,

    das Thema WLan Hotspot habe ich stabil am laufen – ich kämpfe aktuell noch damit, die Erkennung
    verschiedener angebotener WLan -& Hotspots eingerichtet zu bekommen. Mit einem festeingestellten Fallback Netzwerk (Heimat WLAN) funktioniert es bereits, auch der eingerichtete AP funktioniert mit mehreren Geräten welche auf das Internet zugreifen wollen ganz gut. Ich kann aktuell nur kein alternatives, anderes WLan anwählen – aber das bekomme ich noch hin.

    Ich habe einen Fritzbox WLan Stick an einem USB Port angesteckt und diesen als wlan1 (Internet) neben wlan0 (AP) am laufen. Auf der Seite „Elektronik Kompendium“ habe ich mich analog der Vorgaben zum Einrichten eines AP´s gehalten, allerdings dann dort wo eth0 als Kabelgebundene Anbindung an das Internet angegeben war, zusätzlich den gleichen Code mit wlan1 eingetragen – soweit klappt somit die Weiterleitung dann auch.

    Ich halte Dich auf dem laufenden… bis dahin wünsche ich einengten Rutsch,
    Marc

    1. Hallo Marc,

      prima, du machst ja Fortschritte. Den Hotspot hatte ich bei der neuen Version auch schon stabil am Laufen. Allerdings gab es Probleme, sobald ich einen zusätzlichen WLAN-USB Stick angesteckt und versucht habe, mich mit einem WLAN zu verbinden. Dann ist der Hotspot instabil geworden.

      Viele Grüße und auch dir einen guten Rutsch ins neue Jahr,
      Kai-Uwe

      1. Hallo Kai – Uwe,

        ich habe aktuell das gleiche Thema. Eine Stunde in etwa läuft der AP mit externem WLan Routing stabil,
        dann bricht die Verbindung des WLan toggelnd ab, die Verbindung des AP bleibt allerdings Stabil.
        Die Ethernet Schnittstelle bleibt auch stabil.
        Ich habe den AP mit der internen WLan Schnittstelle am laufen und die WLan Aussenverbindung mit dem
        Stick. Ich werde das System nochmal neu aufsetzen und die beiden WLan Zugriffspunkte tauschen.
        Ich bleibe da dran, weil ich diese Funktion im Wohnmobil als notwendig erachte – die Elektronik drumherum wird eher einfach…
        Viele Grüße, Marc

  3. Hallo Kai – Uwe,

    Heureka! Ein Durchbruch ist geschafft! Ich habe eine stabile WLan AP // WLan Verbindung (sogar zu einem Hotspot vom Handy) etabliert. Ethernet läuft auch, aber nicht als Routingfunktion via WLan AP. Ich habe es wie folgt gemacht:
    WLan AP Einstellung analog Elektronik Kompendium. Dann als WLan AP -> Ethernet getestet, läuft.
    Dann habe ich Ethernet DHCP kopiert und daraus wlan1 gemacht (wlan0 ist der AP), und alle Routingtables
    von eth0 auf wlan1 umgestellt. Im Wohnmobil festverbaut wird es nämlich nie eine WLan AP -> Ethernetrouting Verbindung geben. Getestet -> läuft nicht. Warum? Weil der wlan1 Adapter in der Gui keine Netze mehr anzeigt. Sehr wohl aber in der CLI. Dann habe ich mir das Wicd Paket installiert, die Netze über wlan1 wurden angezeigt. In den Wicd Einstellungen dann wlan1 fest als Netzwerkverbindungspunkt im WLan eingetragen, Netz ausgewählt und verbunden -> läuft. Somit habe ich eine etablierte WLan AP WLan verbindung am laufen. Ethernet via DHCP funktioniert im übrigen auch, aber kein Routing vom AP wlan0 aus auf eth0. War mir jetzt nicht wichtig, weil wie gesagt wird dieses im Wohnmobil auch nie umgesetzt. Eins noch vorweg -> man sollte die Leasetime auf einige bis mehrer Tage setzen und nicht wie ich jetzt auf 24h. Dann muss man sich nicht wundern warum die Verbindung zum AP dann weg ist…
    Nachdem das jetzt stabil zu laufen scheint (Testzeit bis dato 3 Tage), begebe ich mich mal daran das Tinkerforgepaket anzugehen… Ich berichte weiter…
    VG, Marc

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